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„Herr Röhler. Ich kann zwar nur aus der Ferne mit Ihnen sprechen.
Aber, das möchte ich Ihnen noch gerne sagen, weil wir ja beide nicht wissen,
wann und ob wir uns das nächste mal tatsächlich wieder persönlich treffen.“

`Ja? Herr Wissler?`

„Na, ich finde, wir sollten nun innehalten und unser wahres Gesicht im Lichte des Zusammenhaltes sehen.
Ich denke, dass das nun für uns alle ein Denkzettel ist und wir da nun alle mit anpacken müssen,
dass wir einigermaßen unbeschadet aus der Misere kommen. Und, das bedeutet eben auch, nun Opfer zu bringen.

`Was meinen Sie mit <Opfer bringen> Herr Wissler?`

„Ja. Es ist momentan schwierig für mich. Aber, es bleibt mir wohl nichts anderes übrig.
Daher möchte ich Ihnen noch sagen, dass ich in den kommenden Wochen circa 30 unserer 90 Leute kündigen muss.“

`Aha. Verstehe.`

*Ich konnte am Telefon hören, wie er mit seinen Tränen ringen musste.
Sein kurzer Atem drückte diese Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht aus,

die ihn vereinnahmte. Denn Jupp Wissler ist ein ehrenwerter Mann.
Ich hatte es nicht erwartet. Und so einen Satz aus seinem Munde zu hören,
das war auch für mich sehr emotional. Ich kannte ihn immer als sehr starken
und zuversichtlichen Mann.
Und so habe ich, so gut es geht, versucht, die Haltung zu bewahren.*

`Herr Wissler. Eine Frage habe ich dann doch noch, wenn Sie erlauben?`

„Ja, welche?“

`Sagen Sie, was genau ist der Grund dafür, dass Sie auf einmal 30 Leute kündigen wollen?
Wir wissen doch noch garnicht, wie genau es sich entwickeln wird, in den nächsten Wochen und Monaten?!`

„Na. Natürlich nicht, das weiß keiner. Aber Herr Röhler. Wir wollen nicht diejenigen sein,
die auf einmal, wegen der laufenden Kosten und der eingebrochenen Umsätze, den Laden komplett schließen müssen.
Was soll ich anderes machen?“

*Soweit so gut. Als Herr Wissler mir das sagte, konnte ich dem im ersten Moment natürlich nichts entgegenhalten.
Dachte ich mir zumindest. Aber, eine andere Stimme in mir sagte, dass es noch um etwas anderes ginge.
Und so konnte ich es mir nicht verkneifen, ihm folgendes zu erzählen.*

`Äähh. Herr Wissler. Ich hab da noch was auf dem Herzen.`

„Ja. Was?“

`Na. Meine Frage. Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich verstehe schon, dass „rechtzeitige Planung und Vorsorge“ ein wichtiger Ratgeber ist.
Aber, was ist, wenn es doch eine hervorragende Chance gibt, diese Angelegenheit auch noch anders zu regeln?`

„Herr Röhler. Nehmen Sie mir es bitte nicht <krumm>, aber der Gedanke kann tatsächlich nur von jemandem kommen,
der keine Vorstellung davon hat, was das heißt – so ein gewaltiger Kostenapparat in so einer ungewissen Zukunft.
Wenn Sie jemals 100 Mäuler + deren Familien hätten stopfen müssen, dann wär Ihnen die Frage zum einen nicht eingefallen,
weil Sie sie zum anderen im vorhinein hätten beantworten können.“

`Doch doch Herr Wissler. Ich verstehe Sie sehr gut. Ich bekomme es ja überall gerade mit.`

„Ok. Und warum dann die Frage?“

`Na. Weil ich Ihre Branche und Ihren Markt kenne. Und ich kenne die Gepflogenheiten Ihrer Kunden.
Aber vor allem, weil ich Sie kenne und weiß, wie Sie eigentlich <ticken>.

Dafür haben Sie mir nun in der Vergangenheit so viel über Ihr Geschäft erzählt, dass ich mich gerade jetzt wieder daran erinnere.`

„Erinnern, woran?“

`Ja. Sie waren es, der mir einmal sagte dass, egal, was kommt, dass es für jede Braut, zu jeder Zeit, den passenden Bräutigam gibt.
In guten wie in schlechten Zeiten – das sagten Sie damals. Oder habe ich da etwas missverstanden?`

*Und als ich ihm das erzählte, war mir auch klar, dass dies eine Ausnahmesituation ist und es nicht darum geht,
unnötige Schlaumeierparolen „rauszuhauen“. Ich war mir der besonderen Situation natürlich bewusst.
Aber, ich glaube, dass die Frage nach der Sinnhaftigkeit und die Frage nach dem Gemeinschaftsgeist, gerade in Ausnahmezeiten wie diesen;
dass genau das auch eine echte Chance ist. Eine Chance, um die richtigen Wege zum richtigen Zeitpunkt auszuloten.*

„Ja Herr Röhler. Das habe ich immer, während der ganzen letzten 20 Jahre, so gesehen, und ich bin meinem Motto auch immer treu geblieben.“

`Aber?`

„Na, aber es war noch nie so wie jetzt. Das werden Sie wohl verstehen oder?“

`Ja und nein Herr Wissler, ja und nein.`

„Ja und nein. Was soll das nun wieder heißen?“

`Herr Wissler. Was, wenn der Bräutigam und die Braut, um nochmal darauf zu sprechen zu kommen,
was ist, wenn die ihr Leben lang um diese Krise gebeten haben?!`

„Was jetzt. Um diese Krise gebeten haben??“

`Na, dass sie jetzt eintritt? Das meine ich, und dass es jetzt gilt anzupacken. Alle gemeinsam.`

„Herr Röhler. Bitte nicht so kryptisch? Was meinen Sie nun damit?“

`Herr Wissler. Ich meine. Wir haben die Tatsache vielleicht aktuell nicht im Griff – oder nicht unter Kontrolle,
nennen Sie es, wie Sie wollen. Alles ist momentan nicht
einschätzbar, wir haben das ja auch alle noch nicht erlebt.
Ich übrigens auch nicht. Auch, wenn ich nicht die Verantwortung für 90 Mitarbeiter trage.
Aber, Sie und ich. Wir beide kennen Krisen. Und wir beiden wissen, dass wir dazu jederzeit in der Lage sind, diese Krise zu überwinden.
Eine Braut, die zu ihrem Bräutigam gepasst hat,
seit über 20 Jahren. Was soll die nun auf einmal daran hindern, den Karren aus dem Dreck zu ziehen…Herr Wissler?`

*Ich bin der festen Überzeugung, dass Krisen keine Krisen wären, wenn wir nicht wüssten, was die Erfolge sind,
die wir in der Vergangenheit daraus geschöpft haben. Und genau hier kommen wir an einen entscheidenden Punkt –
die Frage, die es dafür zu beantworten gilt. Wie definieren wir eigentlich Erfolg?
Weiter: u
nd ich bin der festen Überzeugung, dass es in jeder Krise neue Möglichkeiten,
Entwicklungen und Wege gibt. Auch dafür sind uneinschätzbare Dinge gut. Sie sind dafür da, zu vertrauen.
Darauf zu vertrauen, dass wir immer Optionen <auf dem Tisch haben>.
Auch, wenn wir sie zu Beginn noch nicht vermuten können;  sie noch nicht sehen, weil wir Sorge haben, möglicherweise sogar in Panik verfallen.
Mehr noch. Ich bin der festen Überzeugung, dass Krisen wichtig für uns sind.
Dass Sie für uns alle unsere menschlichen, unseren Zweck, unseren „Purpose“ als Unternehmen, unsere festen Prinzipien als Unternehmer stützen.
Die Prinzipien, die wir immer, im Berufs- und im Privatleben hinterfragen sollten. Genau diese Prinzipien, die der ganz menschlichen,
unsere Prinzipien des Zusammenhalts als Gesellschaft, um diese geht es jetzt!
Es bedarf auch keiner klugen Sprüche an dieser Stelle, aber mich persönlich beindruckt so mancher Umgang mit dem Begriff der Krise,
beispielsweise in anderen Ländern oder in anderen Kulturkrisen.
So gibt es beispielsweise in Asien eine interessante Definition für das Wort „Krise.“
Denn übersetzt heißt das Wort „Krise“ dort „Chance.“

Und, wenn wir eine Chance haben, dann ist sie wohl genau jetzt, mehr denn je gefragt, und sicherlich auch für uns alle da.*

`Herr Wissler. Was sagt eigentlich Ihre Frau zu der aktuellen Situation?`

„Na. Nichts. Sie ist genauso fassungslos und schockiert wie ich.“

`Aha. Ok. Verstehe. Sagen Sie. Haben Sie in Ihrer Ehe eigentlich immer gute Zeiten gehabt?`

„Herr Röhler. Verzeihen Sie. Aber, das ist ne rhetorische Frage, da brauch Ihnen nun keine Antwort drauf geben oder?
Natürlich haben auch wir in unserer Ehe einige große Steine gehabt, die wir aus dem Weg räumen mussten.
So wie in jeder Ehe.

`Aha. Und, wie haben Sie das dann hinbekommen?`

„Wie jetzt? Herr Röhler. Das ist mir ein wenig zu blöd jetzt.
Lassen Sie uns jetzt das Thema wechseln ja.“

`Klar. Wenn Sie nicht hören möchten, was ich Ihnen sagen möchte.`

„Ja. Aber bitte keine weitere moralische Diskussion, BITTE. Dafür ist die Lage zu ernst.“

`Nein. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass es gerade mehrere Millionen Ehen gibt,
die nun ihre echte Bindung, ihren wahren Zusammenhalt in dieser Krise zu hinterfragen haben; um daran zu wachsen.`

„Zu wachsen??“

`Ja genau. Und, ich bin mir sicher Herr Wissler. Dass genau Sie jemand sind,
der jetzt mit gutem Beispiel voran gehen kann
und diese, ich nenne sie mal geschäftliche Ehen,
in so vielen Unternehmen in diesem Land mit Ihrem Beispiel ermutigen kann…`

„Soll ich etwa in meiner eigenen Krise einen Hilfsfond zur Verfügung stellen oder was meinen Sie?“

`Nein nein;) Natürlich nicht. Sie sollen das tun, was Sie immer ausgezeichnet hat und wofür ich Sie so schätze Herr Wissler.`

„Und, was ist das Ihrer Meinung nach?“

`Na, das ist ja genau der Grund.`

„Der Grund? Welcher?“

`Na, warum Sie damals Ihre Frau geheiratet haben.
Oder, war es eine Zweckgemeinschaft, die Sie proforma an den Altar geführt hat?`

„Nein, natürlich nicht!“

`Warum sonst Herr Wissler?`

„Na aus Liebe. Was sonst?!“

`Aha. Da ist es also.`

„Was ist da?“

`Das, wofür ich Sie immer so geschätzt habe. Ihre herausragende Stärke Herr Wissler. Ihre tolle Art, für die ich Sie immer so bewundert habe.
Und nur deshalb konnten Sie über 20 Jahre so viele tolle Dinge hier hinbekommen! Ihre persönliche Markenstärke als Unternehmer.`

„Ja möglich. Danke. Aber….“

`Aber? Herr Wissler? Was, aber?`

„Na, ich weiß einfach gerade nicht weiter…“

`Ja, aber ich weiß….Herr Wissler.`

„Was wissen Sie?“

`Na….ich weiß noch genau, als wir uns damals kennengelernt haben und als ich Sie erlebt habe, wie Sie mit Ihren Mitarbeitern umgegangen sind.
Ich kann mich noch genau an das erste Treffen mit Ihnen, Herrn Kringler, Frau Wilplach und Herrn Meisterjahn erinnern. Das werde ich nie vergessen.`

„Ja Herr Röhler. Das waren noch richtig gute Zeiten.“

`Ja Herr Wissler. Das waren sie. Aber, das sind sie heute auch noch. Es sind andere Vorzeichen.
Aber….wir Menschen werden immer die bleiben, die wir sind…Herr Wissler.`

„Na, eben nicht. Das sind sie eben nicht mehr.“

`Doch Herr Wissler. Doch. Das sind Sie. Denn Sie, Sie sind immer noch derselbe, der Sie damals waren.
Und daher weiß ich, dass genau Sie in der Lage sind, etwas großes zu schaffen.
Wenn das jemand schaffen kann, dann Sie Herr Wissler.`

„Herr Röhler. Sagen Sie, warum sind Sie sich da eigentlich so sicher?“

`Na, ganz einfach.`

„Ja, dann sagen Sie`s mir, ich verstehe nicht genau….Wie soll ich jetzt damit umgehen?, Ihrer Meinung nach?“

`Na, ich habe vorhin mit Frau Wilplach telefoniert. Bevor wir miteinander telefoniert haben.`

„Aha. Und?“

`Na. Sie ist traurig, ist ja klar.`

„Ja klar. Das sind wir alle“

`Ja klar. Aber, sie hat mich angerufen und wahr auch noch aus einem ganz anderen Grund so aufgelöst.`

„Na ja. Klar. Das verstehe ich. Sie war ja auch die erste, der ich von den Entlassungen erzählt habe.“

`Ja. Das weiß ich. Aber, Sie hat aus einem ganz anderen Grund geweint Herr Wissler.`

„Wie. Warum dann?“

`Wegen Ihnen..Herr Wissler. Weil sie weiß, wie Sie ticken….`

„Wegen mir??“

`Ja. Wegen Ihnen.`

`Na. Das kann ich nun nicht verstehen.`

„Ich schon. Sie sagte mir: dass sie weiß, wie es Ihnen damit geht,
dass Sie gerade keine andere Wahl haben….oder sagen wir….dass Sie gerade >keinen Wald vor lauter Bäumen sehen>,
als zu dieser Entscheidung zu greifen.“

„Was meinen Sie Herr Röhler?“

`Das ist ja genau der Grund…“
warum genau Sie es schaffen…. Herr Wissler.“

„Was für ein Grund?“

`Na. Das, was Frau Wilplach mir unter Tränen erzählte.`

„Was denn?“

„Na, dass Sie sieht, wie verzweifelt Sie sind und dass Sie aber auch weiß…“

`Na, dass sie weiß, dass Sie derjenige sind, der über all die Jahre seine Belegschaft
immer mit Zuversicht, Herz und Liebe behandelt hat. Und dass Sie derjenige sind, der über all die Jahre dafür gesorgt hat,
dass jeder hier gerne zur Arbeit kommt. Und dass jeder Ihrer Mitarbeiter immer mehr, viel mehr für das Ganze hier gegeben hat,
als das in anderen Firmen jemals der Fall sein würde. Und dass Sie derjenige sind, für den sie das getan haben.
Weil Sie derjenige waren, der seine Mitarbeiter zu den

Persönlichkeiten gemacht hat, die sie heute sind.
Und Frau Wilplach konnte kaum noch sprechen, als sie mir das sagte.

Und sie sagte mir diesen Satz, der mich sehr berührt hat.`

„Hm. Ok und…..und welchen?“

*Ich merkte, wie er immer leiser wurde. Und ich konnte förmlich seine Tränen auf den Boden tropfen hören,
als ich ihm das alles sagte. Aber, es war mir sehr wichtig, ihn daran zu erinnern. An all das, was er mit seinen ganzen
Fähigkeiten, seiner menschlichen Einstellung und seiner wohlwollenden Haltung als Unternehmer; all das,
was ihn und so viele Unternehmer und Unternehmen in diesem Land ausgezeichnet hat und auszeichnet.
Solidarität und Durchhaltevermögen. Und genau das gilt es, jetzt wieder zu aktivieren.
Den Glauben daran, dass er und sein Unternehmen das schafft.*

`Na, dass sie weiß, dass es diejenigen in dieser Zeit schaffen, die anderen Menschen dazu verholfen haben,
einen Arbeitsplatz zu finden, der sie ausfüllt, eine Aufgabe zu geben, die sie glücklich macht und einen Ort der Heimat zu bieten.
All das Herr Wissler. All das hat mir Frau Wilplach über Sie gesagt. Sie haben der Belegschaft über 20 Jahre beigestanden.
In guten wie in schlechten Zeiten. Sie haben Sie zu dem gemacht, was sie heute sind. Sie sind derjenige, der Ihnen gezeigt hat,
was es heißt, über Grenzen zu gehen und an das Unmögliche zu glauben. Sie haben jeden einzelnen;
Sie haben Ihre Mitarbeiter nicht nun im Beruf besser gemacht Herr Wissler. Sie haben sie zu besseren Menschen gemacht.`

„Das hat Frau Wilplach gesagt?“

`Ja, hat sie. Und jetzt sag ich Ihnen noch was. Ob Sie das hören wollen oder nicht.
Wenn das hier jemand schafft, sagte sie, dann Sie! Herr Wissler!

Sie wissen, was eine gute Ehe braucht…..

…..Herr Wissler.

Sie…

Und erlauben Sie mir noch diesen einen Satz, so von Röhler zu Wissler, von Mann zu Mann.`

„Ja?“

`Sie sind ein Vorbild für andere.

Und die….
…die verlassen das sinkende Schiff erst, wenn beide Maste gebrochen…
…und die Braut als letzte, vor Ihnen über Bord gegangen  ist.

Daher schaffen Sie es Herr Wissler.

Und Herr Wissler?!“

„Ja?“

`Wenn Sie gerade zweifeln dann…`

„Dann…?“

`Na, dann schlage ich vor:
Sie fragen einfach mal Ihre Leute…

Sie haben sie schließlich zu dem gemacht, was sie heute sind.

Herr Wissler…

Sie!

….

Aber…..nur so`n Gedanke.“

 

Foto Marsha Glauch

Allgemeine Information:
Zur Richtigstellung und aus Gründen der Persönlichkeitsrechte und des Datenschutzes.
Die Namen der Gesprächspartner sind in den Geschichten stets abgeändert.

Was ist Ihr Status Quo am Markt heute?
Wo stehen Sie mit Ihrer Positionierung heute am Markt?
Wie groß ist die Gefahr, dass Sie mit Ihrem Thema scheitern?
Welche Möglichkeiten, Sie als Marke bekannt zu machen, liegen heute noch brach?
Gut möglich, dass Sie unseren Markenpersönlichkeitscheck gar nicht brauchen…

Vielleicht kennen Sie aber jemanden – ein Unternehmen, dem er helfen könnte.

Herzlichen Gruß,
Ihr Jens Röhler

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Telefon: + 49 170.832.5045